Getreidehandel

Auf einem Betonboden liegt ein Haufen Braugerste, aus dem ein halbrunder Lüftungskanal herausragt.

Wir erfassen, lagern und vermarkten Weizen und Roggen, Winter- und Sommergerste sowie Hafer und Raps. Außerdem bieten wir Erfassungs- und Lagerdienstleistungen für andere Betriebe an.

Die Vermarktung erfolgt an den Getreidegroßhandel sowie an Getreidemühlen, Hersteller von Tierfutter und Mälzereien. Wir laden auch in Lägern von Landwirten und transportieren das Getreide mit unseren LKWs direkt zu den Verarbeitern.

Traktoren und LKWs gelangen über unsere Zufahrt neben dem Penny Markt (Ortsausgang Stettfeld Richtung Zeutern) auf unser Gelände.

Wir sind nach dem Zertifizierungssystem für die Futtermittelwirtschaft entsprechend des QS-Standards für den Handel und den Transport von Futtermitteln zertifiziert.


Was wir in der Ernte machen

Mit dem Begriff „Getreide erfassen“ kann nicht jeder etwas anfangen. Daher erläutern wir hier, was das bei uns bedeutet und auf welche Qualitätskriterien wir bei den Getreideanlieferungen achten.

Probenahme und Reinigung

Getreide erfassen“ bedeutet, dass das Getreide in eine aus Stahlrost bestehende Gosse gekippt, in Siebmaschinen gereinigt und ins Lager gebracht wird. Doch zunächst nehmen wir eine Getreideprobe.

Bei der Anlieferung des Getreides nehmen wir zunächst ein Muster mit dem Probestecher. Das ist ein 1,50 m langes Metallrohr, das innen in Kammern unterteilt ist. Der Stecher wird in das Getreide gestochen und durch eine Drehung am Handgriff werden die Kammern geöffnet und mit Getreide befüllt.

Beim Stechen werfen wir außerdem einen Blick auf das Getreide: machen die Körner einen optisch gesunden Eindruck? Riechen sie getreidetypisch oder eher muffig? Bewegt sich was? Das nennt man sensorische Prüfung. Dabei merkt man auch, ob das Getreide feucht ist. Ist dies der Fall, wird der Wassergehalt der Getreideprobe gemessen. Denn für die Lagerung darf er bei maximal 14,5 Prozent liegen. Liegt der Wassergehalt bei der Anlieferung höher, wandert das Getreide zunächst in den Trockner.

Nach dem Abkippen wird das Getreide auf einem Trogkettenförderer ins Innere unseres Silogebäudes transportiert und gewogen. Mit Hilfe des „Getreide-Aufzugs“, dem sogenannten Elevator, wird es auf Lagerzellen verteilt oder wandert gleich auf den Aspirateur. In dieser Maschine befinden sich Siebe mit verschiedenen Größen, in denen das Getreide von Besatz gereinigt wird.

Von Besatz reinigen

Unter Besatz versteht man alles, was mit dem Getreide vom Acker mitgeliefert wird: angebrochene oder nicht ausgereifte Körner, Samen anderer Getreidearten sowie kleine Steinchen, Stroh, Staub oder Spelzen. Von der Menge des Besatzes hängt der Arbeitsaufwand zur Getreidereinigung ab, denn das Getreide darf nur ohne fremde Bestandteile und trocken gelagert werden.

Mit dieser Vorreinigung ist das Getreide lagerfähig und wird in die Silos oder ins Flachlager verbracht. Dort wird es mittels eines Kühlgeräts und im Getreide liegenden Luftkanälen gekühlt und belüftet. Temperatur und Feuchtigkeit des Getreides werden regelmäßig gemessen. Außerdem gibt es im Lager ein permanentes Schädlings-Monitoring.

Auf die Qualität kommt es an

Wenn das Getreide in der Ernte angeliefert wird, wird es entsprechend seiner Qualität bewertet und vergütet. Dabei bewegen uns vor allem drei Fragen:

  • Sind Weizen und Roggen backfähig und als Brotgetreide zu vermarkten?
  • Eignet sich die Braugerste zum Vermälzen und damit zur Herstellung von Bier?
  • Können aus dem angelieferten Hafer Flocken hergestellt werden oder wird der Hafer als Futtergetreide vermarktet?

Diese Fragen werden anhand der Qualitätsparameter Hektoliter und Vollgerstengehalt sowie Eiweißgehalt und Fallzahl geprüft.

Das Hektolitergewicht

Das Hektolitergewicht (kg/hl) gibt das Gewicht von 100 Litern Getreide wieder. Je höher das Hektolitergewicht, desto größer und schwerer sind die Körner. Es gibt damit einen Hinweis, wieviel Lagerraum das Getreide braucht. Denn: was größer ist, braucht auch mehr Platz.

Außerdem sagt das Hektolitergewicht etwas über die Qualität aus: bei Weizen sollte es bei mindestens 76 kg/hl liegen, damit auch der größte Teil des Korns wirklich zur Vermahlung verwendet werden kann. Das Stichwort lautet hier Mehlausbeute.

Bei Wintergerste sollte das Hektolitergewicht bei 57 bis 67 kg/hl und bei Hafer bei mindestens 52 kg/hl liegen. Denn Hafer ist ein Spelzgetreide und muss geschält werden, ehe er etwa zu Flocken weiterverarbeitet wird. Dazu sollte er ein ausreichendes Gewicht auf die Waage bringen und die Körner sollten nicht zu fein sein.

Vollgerste: ausgeprägtes Korn erwünscht

Bei der Braugerste ermittelt man nicht das Hektolitergewicht, sondern die Vollgerste: je ausgeprägter bzw. „vollbauchiger“ das Korn ausfällt, desto höher ist sein Stärke- und Extraktgehalt und damit auch sein Brauwert.

Um die Vollgerste und damit die Größe und Gleichmäßigkeit des Korns zu bestimmen, wird es bei einem Sortierversuch durch drei Siebe mit verschiedener Schlitzweite gesiebt. Dabei sollten auf den beiden größeren Sieben mindestens 90 Prozent der Gerste liegen bleiben. In der Regel enthält Braugerste, die kleine Körner und damit ein niedrige Vollgerste aufweist, einen erhöhten Eiweißgehalt.

Der Eiweißgehalt im Weizen

Weizen wird entsprechend seiner Qualitätseigenschaften wie Ertrag, Backfähigkeit und Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten usw. in Sorten eingestuft. Diese Sorteneigenschaften und der Eiweißgehalt sind die zentralen Kriterien für die Bewertung und die Vermarktung von Weizen.

Der Gehalt an Eiweiß in einem Weizenkorn gibt einen wichtigen Hinweis auf die Backfähigkeit. Ermittelt wird der Gehalt anhand der Nahinfrarot-Spektroskopie (NIR). Sie kann den Anteil von Inhaltsstoffen wie Eiweiß bei Getreide, Mehl und weiteren Rohstoffen erfassen. Entsprechend seines Eiweißgehaltes wird der Weizen in Qualitätsstufen eingeteilt:

  • C-Weizen / Keks- bzw. Futterweizen: unter 11,5 % Eiweiß. Dieser Weizen fließt in die Fütterung oder in die industrielle Verwendung.
  • B-Weizen: 12,0 bis 13,0 % Eiweiß. Das „B“ steht für Brotweizen, der klassischerweise zur Mehlherstellung verwendet wird.
  • A-Weizen: mindestens 13,0 % Eiweiß. Das „A“ steht für Aufmischweizen. Er wird zusätzlich zum B-Weizen in großer Menge eingesetzt.
  • E-Weizen (mindestens 14,5 % Eiweiß): Das „E“ steht für Elite im Hinblick auf den hohen Eiweißgehalt. Er wird in der Regel nur bei Bedarf verwendet.

Eiweißgehalt in der Braugerste

Anders als beim Weizen, muss bei der Braugerste nicht ein Mindestgehalt an Eiweiß, sondern ein bestimmter Bereich erreicht werden: mindestens 9,5 bis maximal 11,5 Prozent Eiweiß. Dann stehen der Anteil an Stärke und Eiweiß im Braugerstenkorn im richtigen Verhältnis, um daraus Bier brauen zu können. Ist der Eiweißgehalt zu niedrig, bekommt die Hefe zu wenig Nahrung und die Schaumhaltigkeit des Bieres leidet. Ist der Eiweißgehalt zu hoch, bedeutet dies, dass der Mehlkörper im Korn und damit der Stärkeanteil zu niedrig ist.

Die Fallzahl im Weizen

Wenn das Brotgetreide reif ist, man aufgrund von Regenfällen jedoch nicht dreschen kann, kann es zur Neuauskeimung des Getreides auf dem Feld kommen. Diese Keimvorgänge zur Entstehung einer neuen Pflanze nennt man Auswuchs: der Stoffwechsel des Getreidekorns mobilisiert seine Kraftreserven und es werden Enzyme wie die Alpha-Amylase aktiv. Sie baut Stärke ab und schädigt damit die Backeigenschaften des Korns. Durch Auswuchs geschädigtes Getreide führt bei Broten zu unelastischen und klebrigen Krumen, die von der Kruste abreißen.

Um festzustellen, ob das Getreide auswuchsgeschädigt ist, werden Fallzahlen ermittelt. Dazu wird Getreide im ganzen Korn zu Mehl vermahlen, mit destilliertem Wasser zu einer Suspension vermischt und in einem Reagenzglas in fast kochendes Wasser (95 °C) gestellt. In dem Reagenzglas befindet sich ein Messstab. Die Fallzahlen stellen die Zeit in Sekunden dar, die zum Rühren der Mehl-Wasser-Suspension und zum Absinken des Messstabs vergeht. Kurz gesagt: je langsamer der Rührer in dem Gemisch nach unten sinkt, desto niedriger ist die Alpha-Amylase-Aktivität und desto backfähiger ist das Getreide. Ein guter Weizen sollte auf eine Fallzahl von mindestens 220 bis 250 Sekunden kommen, d. h., es vergehen 220 bis 250 Sekunden, bis der Rührer unten angekommen ist.

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